Untitled (Songs for Plants)

”Untitled (Songs for Plants)“ is a performance within the installation ”Traces“ and has the form of a concert. I composed for this performance eight songs in which I reflect my relation to the plants in front of me and search slowly for words that describe this human non-human relation and for a hybrid body that loosens the borders between me and the plants. Between the songs, embedded in sound and music, I use spoken word prose. On this level I deal with my personal biography, my relation to nature and reflect on the dualism between woman and nature. In the near future ”Songs for Plants“ will be recorded as an music album.

The performance was shown 20th and 21st September 2017 at the Master Fine Art Degree Show of the Zurich Art University. 


***Excerpts from the performance script***

This performance is about my attempt to form a relationship with a non-human being in order to get rid of my rational thinking.
In order to rethink our human relations.
In order to work against ideas of human exceptionalism.
In order to work with our conditions of depression and fear caused by a system we are participating in everyday.
This is a performance for 138 cacti.
Songs for plants.
Like love songs we write for our lovers about our infatuations, our failed loves, our broken hearts, our desires. Love songs as an attempt to understand the shifting space between two subjects.
Songs for plants. An investigation of the lines in time and space, the in-between and the memory between me and these plants.
As a process of unlearning and understanding the diversity of knowledge.
A process of knitting myself back to the world by thinking with it.
Songs for plants. To be one is always to become with many.


Jahrelang sass ich lieber zu Hause, in Cafés oder lief gerne durch irgendwelche Strassen. Landschaften aus Beton waren meine favorisierte Umgebung und deren vier Wände meine Sicherheit. Draussen — das war die sogenannte Natur. Was ich in einer Umgebung machen soll, die ich als Natur verstanden habe, wusste ich nie. Ich benutzte hauptsächlich nur einen Teil meines Körpers: mein Gehirn. Körperliche Betätigung war nie meine grosse Passion, weshalb mir zum Beispiel nie in den Sinn gekommen ist, aus eigener Motivation wandern zu gehen. Ich würde fast sagen, dass ich sehr lange gar keine physikalische Beziehung zu mir selber hatte. Ich war mir meines Körpers bewusst, aber hauptsächlich als meine Hülle, um über Dinge nachzudenken und Wissen anzuhäufen. Der Mangel körperlicher Erfahrungen führte dazu, dass ich alles rational verstehen wollte. Und in dieser Rationalität hatte ich keinen Platz für ein alternatives Wissen, welches sich von unserem westlichen Wissen wegbewegt. Alles, was ich wusste, wusste ich aus Büchern, aus der Schule oder den Medien. Und diese sind gefüttert mit einem Denken gemäss des Mottos: Du kannst alles schaffen, wenn du es nur willst. Wollen. Was heisst das? Den Körper zu Höchstleistungen zu bringen. Beziehungen für den eigenen Zweck zu entfremden. Opportunistisch Denken. Über Leichen gehen. Das hilft dem Wollen. Schneller werden. Immer schneller agieren. Immer schneller vernetzen.



and then i found your voice
and with your voice there came some silence
and with your voice there came some calmness
and with your voice there came my imagination
and with your voice there came a new way of feeling
and with your voice there came some growth
the growth of something invisible



delving my hands in earth
what do you have to say
listening interacting
you re giving me your calmness
you re sharing your knowledge
you re talking about narratives from below
connecting with others
roots and stones plants and fungi micro organisms
delving my hands in earth
i learn from you
we learn from each other
becoming companions

how can we create a relation from within 



Beeren und Pilze sammeln war für mich eine Tätigkeit, die ich mit Herd und Küche verbunden habe. Und dort wollte ich auf keinen Fall landen. Damit wollte ich nichts zu tun haben. Ich machte irgendwie die Verbindung Frau = Natur = schwach = nicht ernst zu nehmen. Natur wurde für mich etwas, was anders erfahren werden musste. Durch Gefühle, Empathie und Emotionen. Und was sollte ich schon damit. So schloss ich meinen Körper aus dem aus, was nicht durch Verstand und Rationalität produziert wurde. Natur war für mich Reproduktion. Von Natur aus Leben schenken. Irgendwie passte das nicht mit mir zusammen. Das passte nicht mit meinem Körper zusammen. Und damit unterdrückte ich mich selber mit den Mitteln, mit denen unsere Gesellschaft bereits Frauen und die Natur unterdrückten, dominierten und ausschlossen. — computer voice So wird also die Natur verglichen, beschrieben und gesehen: als Körper, emotional, passioniert, primitiv, animalistisch, feminin. Kein Wunder, dass sowohl Frauen, als auch die Natur von der westlichen Kultur unterdrückt werden, wenn dieser Vergleich existiert. Alles, was sich nicht mit dem Verstand erklären lässt, wird verneint, instrumentalisiert oder dominiert. Es scheint logisch zu sein, dass man das, was man beherrschen will, klein machen muss. Die Einbettung der Frau in die Natur, eine konsequente Folge davon.   


Performance Setting

Performance Setting

Photo: Stefan Jäggi

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